Zu viel Zucker ist schlecht für den Körper. Punkt.

Okay, aber das hält die meisten Menschen nicht davon ab, ihn täglich zu konsumieren. In großen Mengen. Und auch ich und meine Familie lieben Zucker. Wie kommt es also, dass wir damals, im Dezember 2013, beschlossen haben, es einmal ohne Zucker zu probieren – und dann auch noch gleich für ein Jahr?

Und warum will ich es jetzt (diesmal alleine) im Jahr 2017 noch einmal tun? Hat einmal nicht gereicht? Also wirklich!

sugarheart

Angefangen hat alles, als eine liebe Bekannte mir Anfang Dezember 2013 erzählte, dass sie aus gesundheitlichen Gründen seit August komplett auf Zucker und Weißmehl verzichtet hat und auch noch bis zum nächsten August ohne Zucker weitermachen will. Da machte es bei mir urplötzlich „KLICK“ und ich wusste: Das machst du auch! Ein Jahr ohne Zucker! Das ist die Rettung!

Die Rettung? Wovor?

Offensichtlich war obige Szene doch nicht der Anfang und ich muss wohl um einiges weiter ausholen. Also noch einmal von vorne:

Wie schon gesagt: Wir lieben Zucker! Mark und ich sind beide süchtig nach Schokolade und vor allem Nutella. Wenn Mark ein Glas Nutella kauft, muss er es immer irgendwo in der Wohnung vor mir verstecken – sonst ist es am nächsten Tag leer. Auch die Kinder stehen bei jedem Kindergeburtstag am Tisch und stopfen Süßigkeiten in sich hinein, statt wie die anderen Kinder spielen zu gehen.

Luna, unsere jüngste Tochter, war damals drei Jahre alt. Natürlich hatte ich durch die Schwangerschaften zugenommen. Welche Frau tut das nicht? Und natürlich war es nicht ganz einfach, die Pfunde wieder loszuwerden – auch das kennen viele Frauen. Aber ein Jahr nach Lunas Geburt hatte ich das Gefühl, dass ich seit der Geburt eher zu- als abgenommen hatte. Also habe ich mich beim Online-Programm von Weight Watchers angemeldet und hatte damit zu Anfang wirklich großen Erfolg. Nach einiger Zeit wog ich sogar 5 Kilo weniger als vor den Schwangerschaften und fühlte mich einfach super! Nur 2 Kilo wollte ich noch weiter runter – das war mein Anfangsziel gewesen.

Aber da war der Leidensdruck schon weg und ich konnte das strikte Punktezählen nicht mehr durchhalten. Ich habe wieder angefangen, mir ab und zu etwas zu viel Süßes zu genehmigen. Etwas viel zu viel. Die ganze Woche über habe ich brav Gemüse gegessen und am Wochenende habe ich mir dann meistens alles, was ich die Woche über abgenommen hatte, wieder angefressen. Das Problem war, immer wenn ich sündigte, dachte ich: Morgen musst du aber wieder brav sein. Heute isst du mal schön was leckeres, aber morgen steigst du wieder ein! … Hmmmm…. Aber wenn du morgen wieder brav sein musst, dann solltest du jetzt unbedingt noch eine Packung Toffifee verdrücken! Das darfst du ja dann morgen nicht mehr…. Hmmmm…. Und so ein Ben und Jerry’s Eis ist ja auch was Feines! Das muss auch heute unbedingt noch sein, weil es ja morgen wieder verboten ist!!

Und so ging das über ein Jahr lang. Ich habe zwar nicht großartig wieder zugenommen, aber weniger wurde es auch nicht mehr. Warum?

Weil ich zuckersüchtig bin!

Dadurch, dass man bei Weight Watchers ja durchaus auch mal Schokolade essen darf, wenn man noch Points für den Tag übrig hat, habe ich sozusagen keinen Zuckerentzug durchgemacht. Die Sucht war immer da. Und ganz oft, wenn ich dann etwas Süßes gegessen habe (was ja eigentlich erlaubt gewesen wäre), konnte ich einfach nicht mehr aufhören! Ich konnte noch nie nur ein Stück Schokolade essen. Nur eine Tafel – das passt wohl eher!

Mir wurde langsam klar, dass ich ein Problem mit Zucker habe. Es ist wirklich eine Sucht, im schlimmsten Fall mit körperlichen Entzugserscheinungen wie Nervosität und Zittern. Einmal habe ich im Kino gesessen und dachte: Wenn der Flim zuende ist, kaufst du dir draußen noch was Süßes. Das war der längste Film meines Lebens. Ich konnte mich überhaupt nicht auf den Film konzentrieren (weiß auch nicht mehr, welcher das war). Ich habe die ganze Zeit nur an Schokolade denken können! Das ist doch nicht mehr normal!!

Zucker ist schlimm. Schokolade noch schlimmer – Zucker und Fett. Na, Gesundheit!

Was Zucker/Schokolade mit mir macht:

  • Ich bin permanent müde
  • Ich werde fett
  • Ich bekomme Pickel (Kein nachweisbarer Zusammenhang? Dass ich nicht lache! 3 Tage hintereinander eine Tafel und ich sehe an Gesicht und Hals aus wie eine Pizza – rot-weiß-gefleckt!)
  • Ich bekomme Bauchschmerzen
  • Ich bekomme Depressionen!!

Und trotzdem kann ich damit nicht aufhören!

Ende Oktober 2013 war ich für eine Woche in den USA. Da nehme ich immer mindestens ein Kilo pro Woche zu. Nur wollte es mit dem Zunehmen danach gar nicht mehr aufhören. Ich habe Zucker in mich reingestopft bis mir schlecht wurde. Bis Anfang Dezember hatte ich über 5 Kilo mehr auf den Rippen und habe mich unglaublich schlecht gefühlt. Ich bin wirklich in ein depressives Loch gerutscht. Und ich habe in einer Woche so viel Süßes gefressen wie davor das ganze Jahr nicht (da kam doch das Nikolauspaket von Oma). Ich hätte jeden Tag nur noch heulen können und wusste überhaupt nicht warum. Alles schien plötzlich so hoffnungslos und anstrengend.

Und ich habe wirklich Angst vor mir selbst bekommen: Warum tue ich mir das an? Warum quäle ich mich selbst? Und ich hatte vor allem auch Angst davor, ernsthaft krank zu werden. Durch eine Vorerkrankung habe ich ein erhöhtes Darmkrebsrisiko. Und in mir war so eine Ahnung, nein, eigentlich fast schon ein Wissen: Wenn du noch ein paar Wochen so weiter machst, hast du Krebs.

Und in dieser Situation war ich, als meine Bekannte mir von ihrem Jahr ohne Zucker erzählte. Für mich war das die Erleuchtung, die Erlösung, die Rettung. Und da es auf das Jahresende zuging, war der 1.1. natürlich der ideale Tag, um dieses Fastenjahr zu starten.

(Tatsächlich habe ich aber sofort aufgehört, Süßigkeiten zu essen. Und siehe da: Die Depression war vom ersten Tag an wie weggeblasen und ich habe in einer Woche 3 Kilo abgenommen!)

Als ich Mark von meinem Plan erzählt habe, meinte er zuerst: „Wieso denn gleich ein Jahr? Vielleicht erst mal ein paar Wochen…“ Aber genau das habe ich ja schon so oft gemacht. Ein paar Wochen tapfer durchgehalten, und dann voll zurück in die Sucht. Dadurch stellt sich der Geschmackssinn nicht um. Das ist keine Ernährungsumstellung. Und vor allem: Die Sucht ist dadurch nicht besiegt!

Und überhaupt: Würde man das einem Alkoholiker raten? „Hör doch erst mal für ein paar Wochen auf!“?? Natürlich nicht!

Somit stellt sich natürlich die Frage, ob ein Jahr denn genug ist, oder ob ich mein Leben lang auf Zucker verzichten muss. Die Antwort ist: Ich weiß es nicht. Und: Das wird sich herausstellen. Wenn ich es ein Jahr lang kann, dann kann ich es auch ein Leben lang. Eine radikale Reduktion wäre mir auf Dauer allerdings lieber. Wenn ich das dann auch durchhalten kann.

Wie sagen sie in Kamerun so schön, wenn man morgens in aller Frühe joggen geht: „Du courage!“ (Mut!)


2017 soll wieder ein Jahr ohne Zucker für mich werden. Ich werde es diesmal alleine wagen. Ich habe die 2 Jahre dazwischen sehr zuckerarm gelebt und habe auch jetzt kaum etwas im Haus, was zugesetzten Zucker enthält. Ende 2016 habe ich aber einen „Rückfall“ erlebt und für mich beschlossen, dass die einzige Möglichkeit, mit Zucker klarzukommen, für mich ist, ihn wegzulassen.