Four days in hell

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Ostern. Schokolade und Süßigkeiten überall! Wie überlebt man es bloß ohne?

Nach den letzten Tagen muss ich die Frage eher umformulieren: Wie überlebt man es mit? Denn ich bin dann diesmal doch schwach geworden und nun geht es mir so richtig schlecht. Echt – rundum!

Aber von Anfang an:

Es war wohl ein Fehler, dass ich mir dieses Jahr zugestehen wollte, im Urlaub nicht gaaanz so genau auf die Zutaten schauen zu müssen… Denn das Unterbewusstsein ist clever und trickst mich aus. Aus „nicht so genau auf die Zutaten achten“ ist plötzlich „Im Urlaub darf man doch auch mal was Süßes essen“ geworden.
Ich war über Ostern 4 Tage mit meinen Kindern in Holland. Die Hinfahrt habe ich noch gut überstanden – mit Obst, Gemüse und Tofuwürfeln. Aber als wir dann am nächsten Morgen vor Ort mit knurrenden Mägen im Supermarkt standen, habe ich den Spekulatius-Brotaufstrich entdeckt.

Gehirn: „Schon klar, ist ja Zucker drin. Aber ich hatte mir doch für den Urlaub vorgenommen, nicht so genau zu gucken und es ist ja ganz schön kompliziert, hier in der Fremde was vernünftiges zu finden… Ach, wird schon okay sein!“

Das Fazit: Ich habe in 4 Tagen zwei Gläser (!!!) von dem Zeug verdrückt (das ist ungefähr so mies wie 2 Gläser Nutella). Ich habe einfach überhaupt nicht mehr aufhören können, habe die ganze Zeit an Zucker gedacht und gehofft, dass die Kinder schnell einschlafen, damit ich heimlich naschen kann… Es hat das ganze Wochenende regiert! Zum Schluss wurde mir sogar schon schlecht davon, aber ich konnte trotzdem nicht aufhören. Und ich habe mich richtig depressiv gefühlt. Und völlig außer Kontrolle.
Und nun liege ich hier mit ner fetten Erkältung, die mein Körper ziemlich sicher hätte abwehren können, wenn ich ihn nicht so übel misshandelt hätte.

Immerhin weiß ich jetzt wieder, warum ich das ganze tue. Ich kann einfach mit Zucker nicht umgehen. Ich kann einfach nicht mehr aufhören, wenn ich mal angefangen habe.

Es gibt ja Leute, die behaupten, man soll sich nichts verbieten, weil das dann zu solchen Exzessen führt. Und ich kann es irgendwo nachvollziehen: Ich hatte die ganze Zeit im Kopf, dass ich ja ab Dienstag wieder nichts Süßes mehr essen darf – und deshalb jetzt schnell noch das Glas leer machen muss. So was hatte ich früher auch schon ganz oft, als ich versucht habe, nur die Süßigkeiten wegzulassen: Am Wochenende ist es dann meist aus dem Ruder gelaufen und ich habe Unmengen verdrückt, weil „ab Montag muss ich ja wieder brav sein – also schnell noch ne Tafel Schokolade kaufen“.

Mir zeigt das ganze: Es gibt für mich nur 2 Möglichkeiten: Entweder ganz oder gar nicht. Und gar nicht bedeutet nie. Auch nicht im Urlaub. Und das möchte ich dann jetzt doch dieses Jahr so durchziehen. Ob ich es nächstes Jahr geschafft habe, dass ich die Sucht soweit los bin, dass ich nur ab und zu Lust auf Süßes habe (und es mir dann aber auch jedes Mal erlauben darf), wird sich zeigen.

Jetzt erst mal zuckerfrei.

Wie ist das bei euch? Habt ihr schon ähnliches erlebt? Kennt ihr dieses Tricksen, das euer Gehirn mit euch veranstaltet? Würde mich sehr interessieren.

 

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  1. Ich habe letztes Jahr, am 22. April Zucker aus meiner Ernährung verbannt. Obst und ungesüsste Trockenfrüchte habe ich weiterhin gegessen, doch Honig, Dicksäfte, Sirup weggelassen. Später habe ich Kokoszucker probiert und festgestellt, dass dieser bei mir zumindest nicht bewirkt, dass ich dann nicht mehr aufhören kann. Mein Körper funktioniert nämlich auch so, dass ich z. B. Süssigkeiten nicht in kleinen Dosen essen kann. Ich habe das nie verstanden, dass Menschen eine Packung Kekse oder Schokolade öffene, sich einen Keks oder ein Stück nehmen und dann wieder in den Schrank stellen. Ich habe keine Ruhe, bevor das Zeug nicht komplett in meinem Magen gelandet ist;) Ich atme das dann quasi ein.
    Bald fahre ich nach Wien, eigentlich hatte ich mir vorgenommen, dort sozusagen mein Fastenbrechen zu begehen, denn in Wien sein, ohne deren überirdisch leckere Mehlspeisen zu verzehren ist ja fast undenkbar. Meinem Plan werde ich jedoch nicht nachgehen, denn gestern wolte ich es einmal versuchen, einfach mit einem weissen Brötchen, von dem ich nicht wusste – es aber stark annahm – ob Zucker darin enthalten sei. Nachdem ich einen Bissen davon runtergeschluckt habe, bekam ich fast unmittelbar danach totales Herzrasen undmir schnürte sich gleichsam die Kehle zu. Kurzzeitig hatte ich das Gefühl, als finge ich gleich an zu hyperventilieren. Der Körper hat darauf wirklich wie auf eine schlechte oder überdosierte Partydroge reagiert. Ich habe es ein paar Minuten später erneut probiert, wieder mit den gleichen Symptomen. Spannend war auch, dass mein Körper, mein Mund mir gleichsam zu verstehen gegeben haben, dass sie nicht mal davon abbeissen wollten, geschweige denn, die Masse runterschlucken, ich musste mich regelrecht dazu überwinden. Mir war wohl bewußt, dass ich nach einer so langen Abstinenz in einen Zuckerrausch verfallen würde, wie das bei Drogen nun mal so ist, und klar, wenn ich nun wieder täglich kleine Zuckermengen zu mir nähme und diese sukzessive steigerte, dann würde sich mein Körper wieder daran gewöhnen. Aber mir graust es davor, es erneut zu probieren!

    Mein größter Motivator, einfach weiterhin mein zuckerfreies Leben zu leben ist jedoch ein ganz anderer: Schmerzfreiheit.

    Ich hatte schon als Kind Kopfschmerzen. Ein- bis zweimal die Woche. Mit Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit usw. Das hat mich mein ganzes Leben lang begleitet. Ich trinke nicht, rauche nicht, lebe seit meinem 15. Lebensjahr vegetarisch und seit fünf Jahren vegan. Aber die Kopfschmerzen blieben.
    Nachdem ich vor einem Jahr auf zuckerfreie Ernährung umstellte, fiel mir nach drei Wochen auf, dass ich schon lange keine Kopfschmerzattacke mehr hatte. Und so ist es seither geblieben! Meine wöchentlichen Schmerzen sind verschwunden. Vielleicht hatte ich im vergangen Jahr nicht einmal 10 mal Kopfschmerzen. Von 2x/wö auf <10x im Jahr …
    Mein Fazit: Für mich persönlich ist nichts so köstlich wie schmerzfrei zu sein:)

    • Wow! Das ist eine krasse Story! 😮 Ich wünschte, ich würde auch gleich so stark auf Zucker reagieren. Dann könnte ich es leichter sein lassen. Ich habe „nur“ das mit dem nicht aufhören können…
      Und lass dir gesagt sein: Mir fällt es jetzt wieder seeeehr viel schwerer, abstinent zu bleiben. Lass die Ausnahmen sein! 🙂

      • Hm, ich hätte jetzt schon sehr, sehr gerne mal ab und an wieder Gebäck. Aber Kuchen und Kekse vs. Kopfaua und Herzrasen;) Allerdings 2 Gläser Spekulatiuscreme über die Ostertage weglöffeln, dass ist krass! Kann mir gut vorstellen, dass dir schon währenddessen und auch danach einfach nur schlecht war.
        Was sind denn bei dir die spürbar positiven Effekte der Zuckerfreiheit?

      • Hmmmm… also hauptsächlich geht es mir psychisch besser. Schon alleine deshalb, weil ich nicht mehr ständig dieses Gefühl von Kontrollverlust habe. Aber ich glaube, Zucker macht mich auch depressiv.
        Und ich werde nicht so oft krank (eigentlich fast gar nicht mehr – wenn ich merke, dass ne Erkältung im Anmarsch ist, reichen Zink und Vitamin C und etwas mehr Schlaf, dann ist sie meistens nach 3 wieder weg).

  2. Anya, ich verstehe dich total, denn auch ich habe lange gar keinen Zucker gegessen, dann wieder angefangen und bumm, volles Programm. Und dann wieder ganz ohne, dann wieder viel…

    Ich denke, was dir am besten bekäme, ist, eine Ernährungsberatung bzw. ein Coaching zu machen. Um das Thema erstmal psychisch zu entkrampfen. Außerdem vieileicht auch abklären, ob es physiologische Ursachen hat, dass du so überdrehst. (Bei mir war es damals so, es gab bei mir eine Erkrankung, die meinen Leber- und auch Zuckerstoffwechsel

    Sprich doch mal mit deinem Mann. Was DU dir m.E. wünschst, ist, ein entspannter Umgang mit Essen und Zucker. Kein Leben OHNE Zucker, sondern ein Leben mit WENIG Zucker. Aber eben MIT.

    Das kann man trainieren, Diese „Vorratssüßigkeitenesserei“ kenne ich auch, und die Aufschieberitis, die das ganze nach sich zieht…. ;-))

    Den „Suchteffekt“, den Zucker ausübt, auch, aber das ist ganz normal, alter Hut. Isst du welchen, will der Körper mehr. Du kannst das ein bisschen abpuffern, wenn du vorher was Eiweißhaltiges isst, aber ne Scheibe Schinken (ein Würfel Tofu^^) vor dem Keks– wer macht denn das, bitte, mal ehrlich??

    Dass es einem nach Massen Zucker am Vortag ein wenig dröselig geht usw., auch das sind erwiesene Sachen, die jüngst eben etwas trendy geworden als Gesprächsthemen, doch seit Jahren bekannt sind.
    SPRICH:
    Du bist kein Exot! Es ist nicht etwas bei dir superschwer und bei anderen irgendwie einfach, du hast einen normalen Stoffwechsel, der auf Dinge reagiert.

    Inwieweit

    Du Anya, auch, wenn das jetzt scheiße klingt, aber das mit bzw. IN Holland macht dich total sympathisch. Weil du EHRLICH bist und den Schneid hast, das auch so zu schreiben, und weil ich mir sicher bin, dass es 99% aller Leute, die einen „radikalen Schnitt“ mit irgendwas, das sie aber eigentlich mögen und lieben, machen wollen, genauso geht früher oder später, wenn sie die Zügel nämlich lockern.

    Kein Zucker.
    Vegan.
    Vielleicht auch zu viel des Guten, da zwei Sachen auf einmal?

    „Im Urlaub nicht so genau schauen“= Sonst schaust du STÄNDIG!
    Entspannt ist das nicht…

    Gefühl der Kontrolle.
    Regeln.
    Verbote.
    All das sind ganz typische Dinge, wenn jemand eine gestörte Beziehung zur Nahrung entwickelt.

    Das Umfallen ins andere Extrem. (Das durch unsere genetische Vorliebe zu genau deinem „Laster“, Zucker-und Fetthaltigem, noch befeuert wird, klar).

    Psychischer Druck.
    Noch mehr Druck….

    Lass dir doch helfen.
    Ernährungstherapie (Beratung, ggf. körperliche Untersuchung und Um- bzw. EInstellung mit begleitender Betreuung, also turnusmäßigen Sitzungen) klingt zwar nicht sexy, und „EIN JAHR OHNE…“ toller.

    Doch ich bin 5 Minuten auf der Site und merke jetzt schon, DAS willst du eigentlich.
    Mit den Kindern mal auf dem Weihnachtsmarkt (oder Dom^^) was naschen oder am Sonntag ein Stück Kuchen essen.

    Auch nicht die Panik vor der Prise Zucker in der Tomatensoße (was völliger Quatsch ist!) oder dem Spargelkochwasser haben.

    (Vielleicht ist es übrigens für dich interessant, zu wissen, dass bei Personen, die eine stationäre Behandlung machen, auch bewusst angstbesetzte Lebensmittel auf dem Speiseplan landen, um einen Umgang damit wieder zu erlernen.)

    DONIA, so eine Überreaktion auf ein Brötchen hatte ich auch einmal. JA, es IST eine Gewöhnungssache. Wenn du immer sehr ballaststoffreich und nur Vollkorn isst und plötzlich pure Energie aufnimmst, reagiert der Körper über.

    Das Gewöhnen muss langsam erfolgen, über Untermischen etc. Dann wirst du auch mal imstande sein, unterwegs nicht gleich bei einer Laugenbrezel durchzudrehen.

    Und Wien darf dich beim nächsten Besuch mit einem Marillenknödel erfreuen 🙂

    Dies unterstützt mein behandelnder Neurologe übrigens auch.
    Wer mit seriösen Profis spricht, merkt ganz schnell, dass er/sie nicht so eine Ausnahme ist, wie subjektiv empfunden. Diese Leute haben eine andere Sicht auf die DInge, da sie nicht vom Empfinden her involviert sind.

    Und Anya: NEIN, so etwas wünscht man sich nicht. Das „Krasse“.

    Und NEIN, ihr seid auch beide nicht „wie auf Entzug bzw. Droge“.
    Sondern so restriktiv zu euch, dass solche Überreaktionen erst entstehen.

    Ich wünsche euch beiden, dass ihr das in den Griff kriegt. Und eure Kinder nicht zu denen gehören werden, die zu Hause nur Dinkel bekommen und dann auf dem Kindergeburtstag bei den Nachbarn (selbst erlebt wo etwas!) vom Kuchentisch gar nicht mehr wegwollen.

    Nicht tabuisieren, stigmatisieren. Nicht die Lebensmittel, nicht euch.

    Alles Gute!

    • Hallo A. (steht das für anonym???),
      nö, vegan UND zuckerfrei ist nicht zu viel. Weil vegan für mich kein Verzicht ist. Ich esse eigentlich nur die Sachen, auf die ich Lust habe. Und da gehören Fleisch und Milchprodukte nicht dazu. AUSSER EBEN… Schokolade.
      Was du geschrieben hast, finde ich sehr interessant. Vor allem, dass es bei dir eine Erkrankung war. Leider bricht dein Satz in der Mitte ab, so dass ich nicht erfahren habe, was für eine! Würde mich sehr interessieren.
      Nein, meine Kinder bekommen nicht nur Dinkel. Sie essen, im Gegensatz zu mir, regelmäßig Zucker (nach dem ersten zuckerfreien Jahr haben sie sich geweigert, ein zweites zu machen), aber ich versuche, das auf ein halbwegs erträgliches/gesundes Maß zu beschränken. Trotzdem stehen sie bei Geburtstagen IMMER am Kuchentisch, während die anderen spielen. Aber das war auch schon so, bevor ich mich mit dem Thema Zucker auseinandergesetzt habe (bzw. mit ein Anlass dafür).
      Und natürlich habe ich keine Lust, den Rest meines Lebens auf Zucker zu verzichten. Nach dem ersten zuckerfreien Jahr habe ich es auch wunderbar hinbekommen, nur ab und zu was Süßes zu essen. Kein Gefühl von Sucht mehr. Kein „Ich muss mehr haben!“ Einfach nur ein Stückchen essen und dann halt eben wieder nicht mehr. So soll es sein. Leider hat eine familiäre Krise das kaputtgemacht. Daher jetzt ein zweiter Versuch.
      Wenn du sagst, ich soll mich Beraten lassen, hast du da konkrete Vorschläge, zu wem man gehen kann? Nich jeder Ernährungsberater wird mir helfen können, denke ich mal…
      Anyhow, danke für deine ausführliche Mail.
      Lg,
      Anya

  3. Hallo,
    das erinnert mich sehr an mich! Erstmal in Bezug auf Schokolade, aber tatsächlich auch bezüglich Zigaretten. Hab ich keine-Schoki/Kippen ists okay. Hab ich welche, wird die auch konsumiert. 😣 Beschäftige mich gerade erst mit Zuckerfreiheit.. Allerdings ganz ohne Obst kann/will ich mir mein Leben nicht vorstellen.
    Liebe grüße

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