Ein Leserbrief

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In der neuen Ausgabe der Hamburger Zeitschrift Woman in the City ist ein Artikel zum Thema Zucker erschienen, auf den mich unsere Mitstreiterin Sina in ihrem Blog aufmerksam gemacht hat. Titel:  „Zucker. Süßes Gift?“ Hört sich sehr vielversprechend an und Sina ist dafür interviewt worden. Allerdings wird gegen Ende des Beitrags darauf hingewiesen, dass man doch gut auf Honig, Agavendicksaft, etc. zurückgreifen könne, wenn man auf raffinierten Zucker verzichten will. So einen Satz kann ich einfach nicht unkommentiert lassen. Ich habe der Redaktion daher stante pede einen Leserbrief geschrieben, den ich euch hier noch einmal abdrucken (naja, also ihr wisst schon…) möchte.

 

Liebe Woman in the City-Redaktion,

ich habe mich sehr über Ihren Beitrag über die Gefahren von Zucker gefreut. Allerdings bin ich etwas alarmiert über folgenden Satz: „Honig, Agavendicksaft und Ahornsirup können oft ein gesunder Ersatz sein und auch der natürliche Süßstoff Stevia ist zurzeit in aller Munde.“ Das hört sich an, als ob man dem Körper etwas Gutes tut, wenn man statt Zucker die oben erwähnten Substanzen als Ersatz verwendet. Fakt ist allerdings: Honig besteht zu über 80 % aus Zucker, Ahornsirup zu 60 %, und ob Agavendicksaft tatsächlich gesund ist, ist stark umstritten, da er z.B. mehr Fruktose enthält als handelsüblicher Zucker. Und Fruktose ist – entgegen ihrem Ruf – ziemlich schädlich für den Körper, solange sie nicht in einer Frucht steckt. Auch dass Stevia ein „natürlicher“ Süßstoff ist, stimmt nur bedingt. Das weiße Pulver, das wir heute als Stevia im Bioladen kaufen können, hat mit der Urwaldpflanze fast gar nichts mehr zu tun. Es hat so viele chemische „Reinigungs“-Prozesse durchlaufen (bei denen auch giftige Substanzen verwendet und dann später wieder ausgespült werden), dass von „natürlich“ einfach überhaupt keine Rede mehr sein kann.

Und überhaupt: Macht es so einen großen Unterschied, ob der Zucker, den wir essen, aus einer Rübe, aus Reis oder aus einer Agavenpflanze stammt? Tatsache ist doch: Wir entnehmen der Pflanze den Zucker und konzentrieren ihn auf das Vielfache – welche Pflanze, das ist mehr oder weniger egal. Und dann setzen wir unseren Lebensmitteln dadurch eine Extraportion Zucker zu, die der Körper weder braucht noch verarbeiten kann. Der größte Teil der Menschheit hat bis ins 19. Jh. komplett ohne zugesetzten Zucker gelebt. Heute nehmen wir um ein Vielfaches mehr Zucker zu uns als noch in den 60er Jahren. Ob wir nun Zucker aus einer Rübe essen oder aus einem Ahornbaum – es ist für den Körper zu viel!

Meine Familie und ich leben selbst seit Anfang des Jahres komplett ohne zugesetzten Zucker – und zwar ausnahmslos. Das bedeutet: Auch Honig, Birnendicksaft und Stevia bleibt im Laden.  Auch wir bloggen darüber und haben viele Rezept ohne jeglichen Zusatz von Zucker im Angebot.

Ich würde mich freuen, wenn Sie in der nächsten Ausgabe Ihre Aussagen relativieren oder diesen Leserbrief abdrucken würden.

Mit zuckerfreien Grüßen

Anya Lothrop
www.ein-jahr-ohne-zucker.net


Meine Quellen:

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